Johann Wolfgang von Goethe
Italienische Reise
Ulrich Tukur, Ulrike Kriener, Frank T. Zumbach: voice / Quadro Nuevo: Musik
2 CDs
Spieldauer: 108:00
GLM Music / Steinbach / Soulfood
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Wenn man den schwärmerischen Beschreibungen des Geheimrats Goethe über Italien lange genug zuhört, könnte man meinen, dass er der Erfinder der Sehnsucht nach diesem Lande voller Müßiggang ist. Lässt man sich auf diesem Hörbuch zudem noch von der wahrlich mediterranen Musik des Quadro Nuevo davontragen, ist man bereits fast dort. Schon hört man das Klirren des Geschirrs in den Cafés. Von 1786 bis 1788 gönnte sich Goethe die Erfüllung eines Jugendtraumes und begab sich klammheimlich, allein und inkognito auf eine Italienreise, die er in Reisetagebüchern dokumentierte. Die Reise lässt ihn aufblühen, die Eingebundenheit in die Weimarer Verpflichtungen wie eine Fessel abstreifen. Der kulturelle Reichtum und das so ganz andere, meist auf der Straße stattfindende Leben begeistern ihn.
Sein Blick geht gezielt auf die kulturellen Highlights und blendet die Unbequemlichkeiten damaliger Reisen weitgehend aus. Bevor seine Schwärmereien jedoch in die kitschigen Klischees über Italien übergehen, konterkariert dies das Hörbuch, indem es kritische Stimmen von ZeitgenossInnen über Goethe dazwischenschiebt. Goethe sei ein nur oberflächlich gläubiger Christ, gar ein Egoist, ja ein im Grunde Sexsüchtiger, bekommt man da von Schiller bis Charlotte von Stein zu hören. Goethes wohlgeformte Sprache muss dagegen immer erst verdaut werden. Die angemessen langen Musikpassagen sind dafür genau richtig. Zu kurz kommen in Goethes Schilderungen die Lebensumstände der damaligen Zeit, beispielsweise die Tatsache, dass man noch keine Toiletten in Gasthäusern kannte.
Auch nimmt das Hörbuch kaum zur Notiz, dass Goethe auf dieser Reise sich beinahe zum bildenden Künstler gewandelt hat und auch seine botanischen Interessen entscheidende Schübe bekamen. Doch dient die Auswahl der Texte zumeist genau jener sinnlichen Erlebnisse, weswegen wir von einer Italienreise auch kaum enttäuscht sein können. Und so hört man dem Dichterfürsten nur allzu gerne zu, wenn er schildert, wie die Gondolieri nachts in Venedig, durch die dunkle Nacht hindurch singend, die Lieder ihrer Kollegen fortsetzen. Ach, auch wir in Arkadien!
Hans-Jürgen Lenhart
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