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Hörbucht #17 |
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Dem Epoca-Verlag verdanken wir nicht nur die stilvolle
Wodehouse-Vertonung, sondern auch gleich 5 Verlosungsexemplare für das
Jazzmagazin Ihres Vertrauens! Wer eines der exquisiten Parade-Hörbücher
britischen Humors gewinnen möchte, sollte den kategorischen Imperativ »Mit mir, Jeeves!« per
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oder Postkarte bis zum 18.12.2009 an JAZZTHETIK schicken. Es wodehoused und weihnachtet sehr. In der Hörbucht...
Björn Simon
Bild: © Helge Schneider
Helge Schneider
Bonbon aus Wurst – Mein Leben
Helge Schneider: voice, p, tp
3 CDs
Spieldauer: 198:00
Roof Music / Indigo
****(*)
Helge Schneider
Hörspiele 1+2
Helge Schneider: voice
2 CDs
Spieldauer: 99:00
Roof Music / Indigo
*****
Er ist müde vom Erfolg, vom Leben in der Welt der Reichen und Berühmten, von den Erwartungen seiner Fans. Kein Wunder. Ständig muss er selbst die prominentesten Freunde abwimmeln, etwa Robert de Niro, der ihn gerne öfter sehen will, oder Michael Jackson, als der noch lebte und gern eine Platte mit ihm aufnehmen wollte. Helge Schneider blickt zurück. Mit Bonbon aus Wurst hat er seine zweite Autobiographie veröffentlicht und auch gleich ungekürzt auf drei CDs eingelesen. Nachdenklich und abgeklärt erinnert er sich, hat eine Menge zu erzählen und tut dies umso beiläufiger, je prominenter die Erwähnten sind, von Ringo Starrs Vorspiel für den Schlagzeugposten in Schneiders Band (»Mir gefiel es nicht so, aber ich fand den Typen irgendwie kauzig«) bis zu seiner Zeit bei Alfred Hitchcock (»Cary Grant war ein irrer Vogel. Ich glaube, er mochte mich«).
Doch auch abseits der Anekdoten erfährt man Wissenswertes. Wer hätte geahnt, dass Helge Schneider für seine nächtlichen Filmaufnahmen von Stichlingen mit der 16mm-Kamera international bekannt ist, wenn auch unter einem anderen Namen? Seine ungewöhnliche und nicht immer einfache Beziehung zu seiner Frau Talula (»eine bemerkenswerte Frau – ich bemerke sie schon an ihrem Husten«) zieht sich durch ein Hörbuch mit unglaublichen Abschweifungen, in denen sich der Autor immer wieder in faszinierenden Einzelheiten verheddert. Dem Zuhörer bleibt selbst überlassen, ob er irgendetwas davon für bare Münze nehmen will. Denn nicht alles in dieser treffenden Parodie auf wichtigtuerische Autobiographien ist Nonsens. Schneider spielt mit den Ebenen, die oft völlig unvermittelt aufeinander treffen, mischt bedenkenswerte Ideen unter absurde Gedankensprünge, erweist Jazzgrößen die Ehre und begeistert mit stimmungsvollen musikalischen Zwischenspielen.
Nach ein paar eher mittelmäßigen Büchern zeigt er sich mit Bonbon aus Wurst wieder in Hochform und veröffentlicht eine Kunst gewordene Absage an die fortschreitende mediale Ausschlachtung des Privaten. Mittelbar, weil er sich dem Trend zu Enthüllungen konsequent verweigert, aber auch ganz ausdrücklich, wenn er darüber sinniert, ob er bei nachlassendem Erfolg wohl später einmal ins Dschungelcamp ziehen müsse, worauf er sich selbst die Antwort gibt: »Ich denke, besser ist, wenn kurz vorher ein Komet in die Erde einschlägt.«
Sollte dann im Angesicht des Todes ganz klischeehaft sein Leben noch einmal wie ein Film vor seinen Augen ablaufen, hätte er allen Grund, besonders auf seine frühen Hörspiele stolz zu sein. Die zwischen 1979 und 1987 entstandenen Aufnahmen zählen zu den Höhepunkten seines Schaffens. 1991 und ’92 auf zwei einzelnen CDs veröffentlicht, gibt es sie jetzt in einer Sonderedition als Doppel-CD. Die Miniaturen, die längst zu gern zitierten Klassikern des Genres geworden sind, entstanden im Keller eines Freundes mit bescheidenen technischen Mitteln und ziehen gerade daraus einen besonderen Reiz. Die Gesprächsanteile der Figuren nahm Schneider (teils in unterschiedlichen Bandgeschwindigkeiten) jeweils komplett samt Pausen in einem Take auf, ohne Rücksicht auf den genauen Gesprächsverlauf nehmen zu können.
Das Verblüffende: Aus diesen vermeintlichen Mängeln entsteht eine große Wahrhaftigkeit. Die Personen fallen sich ins Wort, sprechen durcheinander, hören einander nicht zu und reden häufig aneinander vorbei – wie im richtigen Leben. Die kurzen Szenen laufen kaum einmal auf eine Pointe zu und sind auch darin nah an der Wirklichkeit, wie auch die Ruhrgebietssprache und die Schauplätze Sozialamt, Arbeitsamt, Pommesbude oder Kaffeekränzchen kräftig für Authentizität sorgen.
Es ist eine Welt der kindischen Typen und schmutzigen alten Männer, der Aufschneider und Verlierer, die hier skurril und äußerst komisch abgebildet wird. Schon der Erstveröffentlichung war ein guter Rat beigefügt: »Man soll das alles erst einwirken lassen und dann später, wenn keiner bei ist, noch mal heimlich hören.« In der Tat wird beim mehrfachen Hören Schneiders Timing immer beeindruckender und unterstreicht, dass schon hier in den Anfängen seiner Karriere all das vorhanden ist, was seine spätere Laufbahn auszeichnet: ein ungeheures Gespür für Improvisation und Rhythmus, das alles, was Schneider anfasst, zu Jazz werden lässt.
Guido Diesing
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