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Hörbucht # 20 |
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Olaf Schubert
Meine Kämpfe
Live im Berliner Kabarett Die Wühlmäuse 2009
Spieldauer: 64:00
Wortart / Random House Audio
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Olaf Schubert
Komplette Fragmente
Hörspiele-CD
Spieldauer: 45:00
Horos (BuschFunk)
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Olaf Schubert & Seine Freunde
Ich bin bei Euch!
Live aus der Alten Oper Erfurt
DVD
Spieldauer: 200:00
Sony Music
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Der Dresdener Olaf Schubert gehört zur neuen Generation ostdeutscher Kleinkünstler, die es geschafft hat, auch im Westen große Hallen zu füllen. Er heimst Preise für Comedy und Kleinkunst ein (2010 gar den Deutschen Kleinkunstpreis), was zeigt, dass er sich genau zwischen beiden Polen bewegt. Mit nervöser Stimme verhaspelt er sich auf der CD Meine Kämpfe ständig in eine scheinwissenschaftliche Sprache (»Virulente Miasmen«), in DDR-Amtssprache (»Bubolat« statt »kleiner Junge«), bildet begriffliche Verwirrungen (»Die Feinunze Benzin kostet pro Kubikminute …«), verwendet falsche Zeitformen (»Ich schwiff ab.«) und kommt zu absurden Schlussfolgerungen (»Wenn im Computerbereich, wo alles mit 0 und 1 funktioniert, die anderen Zahlen noch hinzukommen, dann geht’s aber los.«) In einem Rauten-Pullunder, der wie aus der Altkleidersammlung gefischt erscheint, und einer Friseur, für die andere ihren Friseur ermorden würden, wirkt er auf der Bühne meist wie jemand, der sich beim Bierholen vom Kiosk auf die Theaterbühne verirrt hat. Ein Mann aus dem Volk also, der deshalb so erfolgreich ist, weil er zu denjenigen gehört, denen man abnimmt, dass sie tatsächlich so sind, wie sie sich auf der Bühne geben.
Dort verwandelt sich Schubert zum selbst ernannten »manischen Mahner«. Die revolutionäre Pose Schuberts auf dem Cover von Meine Kämpfe kulminiert live dann aber in »aufpeitschenden« Reden ans Volk wie: »Wenn der Frosch sich ändern soll, muss er an die Wand geworfen werden!« Der verunglückte Revolutionär redet vor allem Klartext – wenn er nur wüsste, was das ist. Auf der DVD Ich bin bei Euch! bietet er mit seinem Revolutionslied »Zeit für Rebellen« den definitiven Abgesang auf den Protestsänger der APO-Zeit. Dieser scheitert daran, dass Solidaritätsbekundungen und Symbolismen wie Lichterketten heute nun mal keine Gesellschaft mehr verändern und vielmehr anachronistisch bis unfreiwillig komisch wirken. Und deshalb singt Schubert seine anprangernden Lieder betont falsch, nimmt zu viel Text pro Zeile, verhaspelt sich mit den Metren. Doch verulkt er als ehemaliger DDR-Bürger in der gespielten Harmlosigkeit seiner Protestsongs nicht die Wende. Vielmehr verulkt er im Grunde die heutige Harmlosigkeit der wiedervereinten Deutschen, die sich die gleiche Art politischen Dilettantismus, der einst die DDR herunterwirtschaftete, erneut bieten lassen und als europaweit streikmüdestes Volk sattsam und tatenlos dabei zusehen. Vielleicht ist es dem Deutschen ja schon genug Protest, wenn er zu Konzerten von sozialkitschigen Schlagerstars geht, die sogenannte »Lieder, die Mut machen« singen. Ein Titel mit einem Text wie Schuberts »Ich bin ich«, mit dem er letztlich vorgibt, dem Kapitalismus einen Schlag ins Gesicht zu versetzen, wäre z.B. auf Gitte Haennings Schlager-Album Jetzt erst recht aus dem Jahr 1987 mit seinem unerträglichen Spießer-Feminismus damals garantiert nicht unangenehm aufgefallen. Nur denkt Schubert alles konsequent zu Ende und singt weiter: »Ich würde auch kämpfen gegen Atomkraft und laute Nachbarn, aber das liegt leider nicht im Rahmen des zeitlich Machbaren.« Macht nix, auch Gitte schafft es wohl nicht, sich vor einen Castor-Transport zu legen, lieber Olaf.
Schubert hat über den Quatsch Comedy Club von Pro 7 auch ein zahlungskräftiges junges Publikum gefunden und dieses mit einigen flachhumorigen Spielchen zu Vorurteilen über Geschlechter versorgt, die im Grunde aber den Neokonservatismus der Casting-Show-Generation auf die Spitze treiben. Er ist letztlich politisch aber treffsicherer als mancher Merkel-Imitator aus dem Polit-Kabarett. Schubert trifft nämlich den Geist von Sonntagsrednern wie Köhler, Merkel & Co nur zu genau, wenn sein stetes Anprangern in Peinlichkeiten verunglückt wie: »Die soziale Kälte in Deutschland reicht nicht aus, um die Klimaerwärmung zu stoppen.« Und dabei hat Gutmensch Olaf auch noch den gleichen Blick eines verletzten Rehs wie unsere Kanzlerin bei ihren besonders engagierten Reden.
Schubert vermengt im Grunde politisches Kabarett und Nonsens-Comedy. Sein Erfolg ist eine Reaktion auf das zunehmend als zahnlos empfundene Polit-Kabarett. Seine verunglückte Protestpose demaskiert linkes Parolentum, spiegelt gleichzeitig aber auch die politische Resignation im Lande wieder, wenn er sagt: »Dafür bin ich 1968 nicht zu Hause geblieben.« Insofern ist er gar ein entfernter Sohn der Spaßguerilla. In seiner Rolle als tragische Figur demaskiert er aber weltfremde Politik letztlich lustiger als das eher moralisierende Aufklärungs-Kabarett. So macht sein Jugendanbiederungs-Rap der Marke »Basteln statt Drogen« die Verlogenheit des politischen Gutmenschentums und dessen vorgetäuschte Betriebsamkeit lächerlich. Schuberts Spiel mit gesellschaftlichen Problemen im Comedy-Bereich gelingt nur dann nicht, wenn es zu sehr in die Nähe des Kalauers geht. Wenn er GM als den Mutterkonzern von Opel nur deswegen für wichtig hält, weil der halt die Muttern für den Autobau liefert, wirkt dies etwas flach und erinnert an naive Sprüche wie »Wozu Atomstrom? Strom kommt doch eh aus der Steckdose.« Dennoch hält Olaf Schubert die »Poleposition im Tempodrom des pauschalen Protests«.
Schuberts dramaturgisches Spiel mit seiner Band ist am besten live über die DVD nachzuvollziehen, wenn er mit dem meist unentschuldigt abwesenden Bassisten Herrn Stephan und der traurigen Gestalt Jochen Barkas zurechtkommen muss. Oder wenn er ausgerechnet bei einem improvisierten Scat-Text einen Textzettel braucht. Die DVD bietet zudem im Bonus-Bereich noch Beispiele für Schuberts andere Projekte mit der Fun-Funk-Band DEKAdance oder seine Wurzeln im anarchistischen Humor am Beispiel des Kurzfilmes Doppelhochzeit. Tatsächlich gibt es noch viele Olaf Schuberts zu entdecken. So in seinem neuen Buch Wie ich die Welt verändern würde oder in seinen bewusst amateurhaft wirkenden Hörspielen über gescheiterte Kommunikationen, in denen er alle Stimmen selbst spricht. Auf dem Hörbuch Komplette Fragmente können wir uns so in reinstem Sächsisch noch mal vergegenwärtigen, wie es wohl gewesen sein muss, wenn die DDR-Amtsdeutsch-Konstrukteure über einen passenden Begriff für Präservative nachgedacht haben: »Erregungsstulpen? Wirkungswarze? Prickelpropfen?« Schuberts Hörspiele erinnern dabei an die von Helge Schneider und sind meist noch absurder als seine Live-Aufnahmen. Demnächst führt er die Hörspiel-Dialoge sogar live als Kasperltheater auf. Auch hier ist Schubert also eine »geistige Start- und Landebahn für die philosophischen Luftschiffe der Zukunft«.
Hans-Jürgen Lenhart
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