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Max Hacker - Dekonstruiert |
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Von Angela Ballhorn
Von der Arbeitsweise her nähert sich Max Hacker, der seinen Namen mit der Debüt-CD Who the Heck Is Max Hacker? einführte, der Minimal Music. So findet man neben reinem Quartett-Jazz auch Stücke, für die er Fragmente der Ausgangskompositionen übernommen und diese repetitiv aneinandergereiht hat. Manchmal ist das Ausgangsmaterial noch erkennbar, manchmal ist nur eine Bassfigur oder ein Melodiefetzen in die mit Streichern verarbeiteten Dekonstruktionen gerutscht.
Zusammenhänge
»Den Begriff der ›Dekonstruktion‹ gibt es in verschiedenen Kunstrichtungen«, sagt Hacker. »Ich habe etwas gesucht, das beschreibt, was ich mache. Außerdem ist der Titel griffig. Das ist wichtiger, als ich zuerst annahm. Für meine erste CD wollte ich den Titel Who the Heck Is Max Hacker? auf gar keinen Fall haben, aber nach ein paar Tagen konnte ich mich mit dem Titel anfreunden. Heute bin ich für den Namen dankbar, weil man sich erinnert. Ähnlich ist es mit Deconstructing.«
Wichtiger noch ist, dass es genau beschreibt, was gemacht wird. In den beiden Fassungen des Stückes »Twin Palms« ist das Arbeitsprinzip gut zu erkennen. Zunächst stellt Hacker mit seinem leichtfüßig agierenden Quartett - Tino Derado am Klavier, Paul Imm am Bass und Heinrich Köbberling am Schlagzeug - die Komposition vor, die dann in der Dekonstruktions-Version von den StreicherInnen Meta Hüper (viol), Eve Wickert (viola) und Ulf Borgwardt (cello) bearbeitet wird. Deutlich ist zu hören, wie die 1:1 übernommene Melodielinie nach Art von Minimalisten wie Steve Reich oder Philip Glass in ständiger Wiederholung, langsam und in kleinen Schritten, Veränderungen unterworfen wird.
»Manchmal ist der Zusammenhang schwer zu erkennen, das gebe ich zu, da auf der CD einige Male das Bearbeitete zuerst vorgestellt wird und erst danach die Originalkomposition. Ich nehme mir immer einen kleinen Teil der musikalischen Information aus dem Originalstück. Bei ›Twin Palms‹ sind das nur sechs oder sieben Noten, die ich in eine andere Richtung entwickelt habe. In diesem Stück ist es eindeutig, weil es die Melodie ist. In anderen Stücken sind es oft nicht so prominente Teile. Für ›The Haunt‹ habe ich eine Passage aus dem B-Teil gewählt, da müsste man schon sehr gründlich suchen, um die im Original wiederzuentdecken. Wegen mir muss man das aber auch gar nicht finden. Es war mir klar, dass es unter Umständen nicht immer leicht verständlich ist. Wäre der Querverweis mit den Titeln nicht, würde es mir als Hörer vermutlich auch so gehen, dass ihm der Zusammenhang der Stücke verborgen bliebe. Bei einem Blindfold-Test hätte ich sicher Schwierigkeiten …«
Arbeitsweisen
Die Kompositionen des Tenoristen, Bassklarinettisten und Flötisten Hacker entstanden meist wie in einem Guss, entwickelten sich aus einem Nukleus heraus. »Ich habe oft einen Anfang, der feststeht«, erklärt der Komponist. »Wohin es allerdings geht, weiß ich selber erst am Schluss. Ich hoffe, dass die Stimmung eine Art Fluss hat, die sich durch die Platte zieht.«
Dass die Originalkompositionen stets in klassischer Quartettbesetzung gespielt werden, die Dekonstruktionen dagegen immer mit den Streichern, macht deutlich, was man jeweils vor Ohren hat. »Hacker: »Die verschiedenen Klangfarben waren auch eine Möglichkeit, um auf die Minimal Music hinzuweisen. Ich wollte mit Wiederholungen arbeiten, und es ist ja schon ein Riesen-Unterschied, ob man viel improvisiert oder ob alles ausgeschrieben ist. Alles wird etwas gleichförmiger und weniger dynamisch als mit einer Jazzbesetzung. Wie ich meine Dekonstruktionen mit Jazzband umsetzen sollte, war mir unklar, da Kontrabass und Schlagzeug nicht passten.«
Den Einsatz von Streichern aber kannte Max Hacker von Minimal-Music-Komponisten, mit deren Arbeitsweisen er sich in den letzten Jahren intensiv beschäftigt hat. So spielte er im Ensemble Redux Orchestra des Komponisten Ari Benjamin Meyers. Dass Minimal Music so gut mit Jazz Hand in Hand geht, obwohl gerade das Spontane, Impulsive des Jazz der starren Struktur der Minimal Music konträr gegenübersteht, wundert Max Hacker nicht: »Ich schätze beide Musikstile sehr. Offensichtlich ist die Minimal Music tief in mein musikalisches Unterbewusstsein gerutscht. Jazz und Minimal Music haben für mich eine vergleichbare Art von Trance. Viele Aspekte des Jazz kommen aus der afrikanischen Kultur, und das Sich-in-Trance-Musizieren kommt sowohl im Jazz als auch in der Minimal Music vor. Im Jazz gibt es das Lead Sheet als Grundlage und danach geht es los, während bei der Minimal Music alles ausnotiert ist - aber im Fluss sind beide Musikrichtungen.«
Bleibt noch die Frage, wie dieses Konzept in der Live-Situation umsetzbar sein wird, in der beide Spielarten naturgemäß eine weitere Dimension hinzugewinnen. Max Hacker seufzt: »Das Projekt live auf die Bühne zu bringen, wäre schön, aber es ist momentan nichts in Arbeit. Das ist schwierig, schon mit meinem Quartett nicht einfach. Ich möchte nur spielen, wenn die Bedingungen stimmen, aber das tun sie sehr selten. Ich werde niemals meinen Musikern zumuten wollen, in Stuttgart auf Eintritt zu spielen. Momentan ist noch nichts in der Pipeline, und ein Konzert mit den Streichern zusammen zu organisieren, ist natürlich mit viel Arbeit verbunden.«
Hoffentlich wenden sich die Vorzeichen zum Besseren, denn sowohl Konzept als auch die Umsetzung sind originell, die Band ist heiß, und die Kompositionen wie auch der Saxofonsound von Max Hacker verdienen es, live gehört zu werden.
Aktuelle CD:
Max Hacker: Deconstructing Max Hacker (with Strings) (In & Out Records / In-Akustik)
Website:
www.maxhacker.de
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