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Triband - So Together |
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Von Tobias Richtsteig
Bild: Peter Bastian
Wenige Wochen nach diesem ersten Date im Probenraum traf man sich schon im Studio, für die anschließende Tour sagten die Bandmitglieder ihre anderen Engagements ab. »Wir sind ja alle hauptberuflich Musiker«, erklärt Studnitzky. »Das heißt, wir spielen jeden Tag mit irgendwelchen Leuten zusammen. Teilweise bleiben dann Formationen hängen. Bei Triband war dieser Moment des ›Hey, lass uns was zusammen machen!‹ sehr intensiv und ging gleich zur Sache. Wir haben gemerkt: Das ist eine sehr ernsthafte Geschichte und ein sehr großer Schatz, den wir da haben.«
Reinbuttern
Eine Selbsteinschätzung, die inzwischen ein immer größeres Publikum teilt, denn Triband halten ihren Schatz nicht zurück, sondern gehören wohl zu den aktivsten Live-Bands Europas. Ihre Tourneen führen von Portugal bis Lettland, folgerichtig hieß das zweite Album schlicht Trip. Und nicht nur bei begeisterten Zuhörern sprach sich herum, dass Triband live ein Ereignis sind: Der Verband der deutschen Konzertdirektionen verlieh ihnen 2007 seinen Förderpreis. Neben dem angenehmen Preisgeld gewannen sie dabei auch das Interesse des Konzertveranstalters Karsten Jahnke, in dessen Konzertreihe »JazzToday« Triband im Frühjahr unterwegs sein wird, im Doppelprogramm mit Esperanza Spalding. »Jetzt langsam geht’s ein bisschen aufwärts, aber wir haben schon ganz schön reingebuttert in die Band, viel Zeit, Energie, im Endeffekt auch Kohle da versenkt. Es ist schwer, solche Bandkonstellationen zu finden, wo jeder Einzelne bereit ist, gleich viel zu investieren«, freut sich Studnitzky. Schon länger gehört mit Michael Paucker auch ein fester Bassist und vierter Mann zur Band. Das soll nicht vergessen werden, da passt Sebastian Studnitzky auf: »Ganz genau. Triband funktioniert zusammen. Wenn wir zu viert sind, entsteht ein Triband-Song. Das ist kein Plattenfirmen-Konstrukt oder kein ›Lass uns mal ’ne hübsche Sängerin nehmen und dann singt die ein paar Balladen, wir machen da so ein bissl Jazz-Pop im Hintergrund …‹. Das sind unsere Emotionen, unsere Songs.«
Die Kickdrum aus der Flöte
Und dann erzählt der Trompeter von dem Probenraum in der Pfalz, in dem sich das Quartett regelmäßig trifft, um gemeinsam Triband-Musik zu schaffen: »Das ist keine Band, wo jemand zuhause einen Song vorbereitet und dann sagt: ›Hey schaut mal, was ich komponiert hab!‹ Sondern die Musik, der Song, die Melodien, die Form, die Akkorde, die entstehen tatsächlich zusammen.« Wohl auch deshalb heißt das aktuelle Album So Together. Denn die kollektive Arbeitsweise, die eher an eine Schülercombo erinnert, ist für die vier Profimusiker das Erfolgsrezept. Sebastian Studnitzky schätzt die Qualität seiner Kollegen, »einerseits sehr kreativ zu sein im Studio und andererseits auch das handwerkliche Know-how zu haben, um dann halt auch einen Take zu spielen, der gut genug ist, dass er’s aufs Album macht. Der allererste Versuch hat oft eine unglaubliche Energie, und es ist natürlich klasse, wenn man den behalten kann - und das funktioniert bei Triband sehr oft. Deswegen ist es auch wieder leicht, solche Sachen live zu spielen. Es ist halt kein produziertes Zeug, wo man sich ewig überlegen muss, wie setz ich das jetzt um, denn wir haben das ja selber genauso gespielt.«
Nach einer intensiven Arbeitswoche in Berlin, tagsüber im Studio und abends bei einem Dauerengagement im Jazzclub A-Trane, machten sich Triband im vergangenen Spätsommer auf die Suche nach dem richtigen Partner für die endgültige Abmischung der Songs – und wurden im Greenhouse Studio in Reykjavik fündig. Dort feilt sonst Björk an ihren Klanguniversen, man sollte also meinen, die Kollegen seien durch nichts mehr zu überraschen. Im Promotion-Video auf der Labelhomepage berichtet der Toningenieur Sturla Mio Thorisson dennoch: »Schon am ersten Tag, als sie hier eintrafen, merkte ich, das wird ganz anders, als ich mir das vorgestellt hatte.« Sebastian Studnitzky rückt die trockene Bemerkung des Isländers zurecht: »Bei der Musik, die sie da sonst gemacht haben, sind viel programmierte Sachen dabei. Also sprich: Aus einer Flöte wird eine Kickdrum gebastelt und aus einem Chor wird eine Synthie-Fläche - so in der Art. Unsere Aufnahmen waren schon fast fertig produziert, einfach durch die Art, wie wir’s gespielt haben, wie wir’s arrangiert haben - und wie wir’s aufgenommen haben. Einerseits klingt Tribandmusik total dicht und arrangiert, ist aber andererseits relativ schnell entstanden, einfach beim Spielen. Wenn man gut improvisieren kann, dann kann man auch so ein komplexes Arrangement improvisieren.«
Mufflige Sounds
Wenn zum Beispiel ein Flamenco-Klatschen auf zwei Akkorde aus einer Weltraum-Orgel trifft und so die Basis für die Strophen des Openers »Where Did All the Love Go?« liefert, passt das wie ein gut sitzender Handschuh. Der Songtitel selbst öffnet ein weites Feld der Assoziationen; der Titelsong »So Together« kommt erst am Ende des Albums und behandelt seinerseits eher dysfunktionale Familienbeziehungen. Kunstvoll übersteuert raunt Sandie Wollasch den wohligen Grusel von »Miss Baby Light« ins Mikrophon, bis sich im B-Teil ein Himmel voller Geigen öffnet. Überhaupt wird das Soundkonzept der Tribands immer wieder von geschmackvoll imperfekten Klängen geprägt, nicht nur bei der gezerrten Trompete, die in »Smoking« ein Gitarrensolo übernimmt. Auch das Klavier von »That’s Not Right« ist dezent out of tune, während chorisch atmende Trompeten im Hintergrund einen matt flatternden Gobelin knüpfen. »Wir drei Jungs mögen eigentlich mufflige Sounds. Der Tommy hat oft Decken auf seinem Drumset liegen oder spielt mit irgendwelchen komischen Klöppeln, ich hab auch eher so einen Mellow-Sound und ein gedämpftes Klavier. Wir stehen drauf, die Sachen auch so ein bisschen altmodisch aufzunehmen. Dadurch schaffen wir natürlich auch den Platz für die Sandie, dass sie dann oben drüber mit ihrer Stimme brillieren kann.«
Nett gesagt; mit einem ähnlichen Timbre wird die Hamburgerin Annett Lousian beharrlich als erotische Pop-Lolita apostrophiert. Und auch Sandie Wollasch ist sich solcher Vorurteile bewusst (»Pillow«). Dabei entfaltet sie geradezu soulige Wärme, hat man sich erst mal an die Stimmlage gewöhnt. »Die groovt unheimlich beim Singen, das hat mich von Anfang an begeistert. So ein gewisses Timing, wie sie Silben setzt und das Vibrato«, schwärmt Studnitzky. Als Trompeter hat er ein ganzes Blasorchester in das Arrangement von »Not My Kind« geschmuggelt: »Es gab ein paar Stücke, wo wir dachten: ›So ein Sgt.-Pepper-mäßiger Bläser wären da nicht schlecht.‹ Mein Vater ist Arrangeur für Blasmusik und hatte ein paar Wochen später Aufnahmen mit dem Polizeiorchester Ostrava in Tschechien. Da haben wir die halt verhaftet!« Überhaupt sind die Wege von einer Idee zu ihrer Umsetzung bei Triband eher kurz, wie die Coda des Albums beweist - das mit fast 15 Minuten eher lange »In the Rosegarden«. Eine »typische Triband-Idee«, sagt Studnitzky. »Irgendwann haben wir diesen Loop gespielt und einer kam auf die Idee: ›Wir schmeißen jetzt mal das Band an und wir nehmen mal ’ne halbe Stunde lang diesen zwanzigsekündigen Loop auf - nur Schlagzeug/Bass/Klavier.‹ Und das war dann ein sehr interessanter Prozess. Plötzlich dachte ich, meine Hände sind ganz, ganz lang. Ich hatte Schwierigkeiten, die Akkorde zu greifen. Es wurde richtig meditativ. Der Song könnte auch noch ’ne halbe Stunde länger gehen …«
Das könnte gut passieren, denn Triband verstehen den hypnotischen Loop als Einladung für Freunde und Gäste. Auf der CD sind bereits Edo Zanki, Laith Al-Deen, Magnum Coltrane Price, Laura Lopez Castro, Christina Lux und noch einige mehr zu hören, doch der Song als Gemeinschaftsprojekt ist noch lange nicht fertig. Auf www.myspace.com/rosegarden sind alle Zuhörer eingeladen, ihren eigenen Beitrag als MP3 oder gar als Video hochzuladen - »und vielleicht wird’s irgendwann der längste Song der Welt«. Das klingt ein bisschen versponnen, aber gerade dieses »Just Do It« macht Triband und ihre Musik aus. »Mich interessiert nicht, ob jemand total schnell spielt oder so was. Und ich hör auch schnell ein Dollarzeichen in einer Produktion, wenn jemand eine Platte macht, um damit viel Erfolg zu haben. Wir sind mit Triband total ehrlich und offen. Das sind einfach unsere Ideen, die aus unseren Herzen und unseren Bäuchen kommen. Und ich glaube, darum geht’s in der Musik.«
Aktuelle CD:
Triband: So Together (Herzog Records / edelkultur)
Websites:
www.triband-music.de
www.myspace.com/rosegarden
www.herzogrecords.com
Termine:
(JazzToday mit Esperanza Spalding)
19.03.2009 Nürnberg, Karstadt Kulturcafé
20.03.2009 Essen, Philharmonie
21.03.2009 Karlsruhe, Tollhaus
23.03.2009 Halle, Oper
24.03.2009 Berlin, Kammermusiksaal
26.03.2009 Lübeck, Musik- und Kongresshalle
28.03.2009 Hamburg, Kampnagel
29.03.2009 Osnabrück, Osnabrückhalle
30.03.2009 Mannheim, Alte Feuerwache
31.03.2009 Mainz, Frankfurter Hof
01.04.2009 Kaiserslautern, Kammgarn
02.04.2009 Darmstadt, Centralstation
03.04.2009 Stuttgart, Theaterhaus
04.04.2009 Dortmund, Konzerthaus
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