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Donnerstag, 17. Mai 2012

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Die Jazzpolizei ermittelt - Aktenzeichen 11/11 E-Mail
Schallplattenfreunde der Tonkonserven-Antike lebten dagegen noch vergleichsweise gesund und ökologisch. Der Schellack für die frühen Schallplatten wurde bekanntlich aus den leckeren Ausscheidungen einer Schildlaus-Art gewonnen, die sich von natürlichen Pflanzensäften ernährt. Doch mit der Einführung der Langspielplatte um 1950 machten sich Plattenkäufer zu hilflosen Opfern des PVC. Besonders Jazzfans entwickelten einen ungeheuerlichen Drang zur Ansammlung großer Mengen von Vinylscheiben: Liebhaber-Kollektionen von 5.000, 10.000 oder mehr Langspielplatten waren keine Seltenheit. Und täglich atmeten diese bedauernswerten Jazzsammler die Ausdünstungen des PVC ein – in der eigenen Wohnung! Zweifellos entstand dabei eine biochemische Abhängigkeit, die zu immer weiteren LP-Käufen führen musste. Auskenner bemühten sich immerhin, die hochgiftigen, suchterregenden Schallplatten nur an der Randkante und am Etikett zu berühren – oder sie überhaupt mit Handschuhen anzufassen. Sie wussten warum.

Wer eine große Jazz-Sammlung auf Vinyl besitzt, initiiert neuerdings gerne eine Schallplatten-Ausstellung. Dies nicht nur wegen der schönen großen LP-Covers, sondern auch, um das schädliche Vinyl wenigstens vorübergehend aus der eigenen Wohnung auszulagern. Man denkt ja heute gesundheitsbewusst. Allerdings sollte man auch an die Gesundheit der Besucher von Schallplatten-Ausstellungen denken. Die Empfehlung der Jazzpolizei lautet daher: PVC gehört nicht ins Wohnzimmer, aber auch nicht ins Museum! Vinyl ist Sondermüll.

Nach der aktuell gültigen Abfallentsorgungsvorschrift sind Händler verpflichtet, Vinyl bis zur verkauften Menge kostenlos zurückzunehmen oder eine Rücknahme in der Nähe der Verkaufsstelle auszuweisen. Die Rücknahme ist nicht an einen Neukauf gebunden. Sie können Ihr Vinyl auch direkt ins werkstoffliche Recycling geben oder es bei besonders ausgewiesenen Müllverbrennungsanlagen, die die notwendigen Emissions-Filtertechniken besitzen, energetisch verwerten lassen. Oder Sie geben Ihre Jazzplatten ganz einfach kostenlos in meiner Jazzpolizeidienststelle ab. Bei mir und meinen Kollegen ist die Vinylvergiftung ohnehin irreversibel fortgeschritten.

gez. Fredi Fußwipper
Polizeioberinspektor