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Is What?! - Is was?! |
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Von Eric Mandel
Bild: Bill Douthart
Ja, sie galten als Traumpaar, seit Stetsasonic in »Talkin’ All That Jazz« die Geschichte der großen amerikanischen Kunstform herunterbeteten, Miles Davis mit Easy Moe B den Doo-Bop-Sound kreierte und die Dream Warriors mit Quincy-Jones-Samples den boombastischen Jazz-Stil definierten. Jazz und HipHop waren Seelenverwandte, sprachen sie doch (fast) die gleiche Sprache aus Stil, Urbanität, Leistungszwang, Kreativität, Sexyness und Halbwelt. Und waren nicht beide die beliebtesten Musiken ihrer Generation, Ausdruck des afroamerikanischen Lebensgefühls, stylish, groovy und hip? Aber die Ehe verlief ungut: Rückblickend bleiben die guten Tage in der Minderheit, blieben die genannten Stücke und eine Handvoll anderer rare und manchmal auch ganz ungeplante Highlights. Die beiden Seelenverwandten stellten fest, dass sie sich eigentlich nicht so viel zu sagen hatten. Wenn sie künftig gemeinsame Sache machten, dann auf Betreiben irgendwelcher Unkundiger, die ästhetisch Entscheidungen auf Basis von Zielgruppenerfassungen betrieben. Das Ergebnis war in der Regel langweiliger Jazz oder langweiliger Rap, oft genug beides. Aber Napoleon Maddox’ Antwort auf die Frage, ob die beiden Welten trotz aller Gemeinsamkeiten nicht doch immer so weit voneinander entfernt lagen wie die Lebenswelten von Wynton Marsalis und 50 Cent, ist knapp, salomonisch, humanistisch korrekt und im Kern völlig zutreffend: »Für uns und für alle, die den Geist dieser Ausdrucksart spüren, war HipHop immer Jazz, und Jazz war immer HipHop. Nur von anderen Leuten, in einer anderen Zeit hervorgebracht.«
Is What?! Sind die tief empfundene und technisch vollendete Manifestation dieser geheimen Wahrheit. Nur mit Mundwerk, Bass, Drums, Saxofon und ein paar völlig legitimen technischen Spielzeugen ausgerüstet, fegt das Trio regelmäßig über die Bühnen, Ihr Sound ist mit den Roots aus Philadelphia verglichen worden, was vor allem an den Live-Drums liegt, die bei Is What?! allerdings von keinem Geringeren gespielt werden als Hamid Drake. Ich muss allerdings, wenn Cochemea Gastelums Saxofonlinien zwischen Drakes wohlbemessenen Beats quietschen, an DJ Premier denken, das Sax vollendet die Jazz-Ähnlichkeit, die Premiers Scratch-Routines in Gang Starr-Stücken erreichte. Wenn nicht gerade jemand anders scratcht wie auf dem neuen Album Big Appetite. Is What?! kooperieren aus Prinzip oder Fatum nur mit den Besten. Die Roots, Ursula Rucker, Saul Williams gehören dazu, und seit neulich auch Archie Shepp, mit dem sie in Italien die bereits einhellig begrüßte CD Phat Jam In Milano einspielten – mit all der rauen Energie eines Live-Sets, das das beste aus Rapmusik und Jazz zusammenbringt: Spontaneität, Feuer und Autorität auf dem Instrument. Napoleon spricht mit stolz von der Begegnung: »Ich war aufgeregt und geehrt von der Möglichkeit. Mr. Shepp und ich sind mittlerweile gute Freunde und Verbündete geworden.«
Drei Einflüsse nennt Napoleon (die seine Sympathiewerte schlagartig weiter steigen lassen) für seine eigenen künstlerische Karriere: »Als Vokalist: mein Vater. Als Rapper: Run D.M.C. Als Beatboxer: die Fat Boys.« Und erinnert, so wie jeder der 17 Titel des dritten Is-What?!-Albums, daran, wie wichtig bei allem, was seine Musik kostbar macht, der Spaß ist, Freude an der Sache, Positivität und das soziale Moment, das der vollendete Techniker immer höher bewerten wird als die Technik. Deswegen hat er eine Art Konzeptalbum übers Essen mit all seinem metaphorischen Potential eingespielt, auf dessen diversen, dichten und dabei mittlerweile unmittelbar wiedererkennbaren Sound selbst ein DJ Premier neidisch sein dürfte. Deswegen sieht er, während er auf irgendeinem Highway in Ohio auf seine Heimatstadt Cincinnati zufährt, der Zukunft mit Is What?! freudigen Auges entgegen. »Die Zukunft ist rosig, weil wir nicht aufhören, und gegenseitig zu inspirieren; und darüber hinaus inspirieren wir andere Künstler in Ohio, in Paris, in NYC. Für mich fühlt es sich an, als sei das erst der Anfang.« Und nach einer kleinen Denkpause noch ein Mantra für das Ende der Dekade: »Abgesehen davon: Ich könnte dir eine lange Liste von Musikern aufzählen, die Blues, Jazz, HipHop und R&B-Musik kreiert haben, und zwar unter wesentlich härteren Umständen als wir im 21. Jahrhundert.«
Aktuelle CD:
Is What ?!: Big Appetite (Discograph / Al!ve)
TOURDATEN:
29.09.09 Berlin: Quasimodo
03.10.09 Heidelberg: Karlstorbahnhof - ENJOY JAZZ FESTIVAL
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