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Samstag, 4. Februar 2012

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Brian Blade - Mann mit Talenten E-Mail
Von Wolf Kampmann
Brian Blade - Mann mit TalentenBild: Arne Reimer

Schon lange hat er von einer solchen Manifestation seines anderen Selbst, wie er es nennt, geträumt, doch bis vor kurzem nicht für möglich gehalten, dass er es jemals würde verwirklichen können.

Aber mal ehrlich: Muss das sein? Sind an dieser Hürde nicht schon ganz andere Jazzgrößen gescheitert? »Für mich macht diese Platte gar nicht so einen großen Unterschied, denn ich lasse die Musik fließen«, erklärt Brian Blade gelassen. »Die Grenzen, die ihr von außen verpasst werden, sehe ich nicht. Ich bin nur gespannt, wo sie am Ende ankommt.«

Doch der hagere Drummer ist nicht nur im Jazz zu Hause, sondern sammelte auch Erfahrungen an der Seite von Troubadouren wie Joni Mitchell, Bob Dylan und Emmylou Harris. Auf dem mit Gitarrist Wolfgang Muthspiel eingespielten Duoalbum Friendly Travelers griff er endlich auch selbst zur Gitarre. Gräben zwischen Jazz, Folk und anderen Genres kennt er nicht: »Wenn ich über Stilistiken nachdenke, fallen mir immer nur einzelne Namen ein. Thelonious Monk, John Coltrane oder Joni Mitchell haben stets ihren eigenen Weg beschrieben und sich allgemeinen Kategorien entzogen.«

Von den Songwritern, denen er mit seinem Schlagzeug den Rücken stärkte, lernte er, indem er sie im Stillen beobachtete. Vor allem von Joni Mitchell schaute er sich ab, wie man Texte in verschiedenen Kombinationen mit Harmonien und Melodien in ihrer Aussage komprimieren und dadurch verstärken kann. Trotz dieser hohen Schule erforderte es von Blade jedoch gehörige Überwindung, seinen eigenen Songs zu trauen: »Die Songs sind parallel zu meiner Arbeit mit Fellowship entstanden. Ich hatte irgendwie den Wunsch, mehr Aufnahmen zu machen, und spielte sie nebenher in der Intimität meines Wohnzimmers ein. Ich verstand diese Aufnahmen als Hommage an meine Familie. Doch das allein hätte keinen Menschen interessiert; in meinen Ohren klangen die Songs leer und belanglos. Erst durch die Mitarbeit von Daniel Lanois, Greg Leisz und all den anderen wurden echte Songs daraus.«

Wer die drei bisherigen Alben von Blades Band Fellowship kennt, wird nach anfänglicher Überraschung viele Parallelen zu Mama Rosa entdecken. »Natürlich bin ich kein völlig anderer Songschreiber, nur weil ich von instrumentalen zu vokalen Liedern wechsle«, bekennt Blade lächelnd. »Man wird in beiden Projekten meine Vorliebe für introvertierte Themen erkennen. Meine Musik entspricht meiner Weltsicht. Ich kann mich eines gewissen Hangs zu Sehnsucht und Romantik nicht erwehren. Warum auch? Ich war schon immer ein Storyteller. Jetzt haben meine Geschichten eben noch eine verbale Komponente hinzugewonnen.«

Der größte Unterschied für Blade selbst besteht wohl darin, dass er nicht nur Schlagzeug, sondern in erster Linie Gitarre spielt. Wobei auch sein Zugang zur Gitarre nur wie die Einlösung des Versprechens klingt, das er schon lange auf dem Schlagzeug gegeben hat: »Auf den Drums habe ich gelernt, die Dinge fließen zu lassen und trotzdem die Nägel ins Brett zu hämmern. Diese Erfahrung übertrage ich auf die Gitarre und meinen Gesang. Man muss immer den richtigen Filter finden, um das, was man selbst hört, auch rauszulassen. Und nicht zuletzt hilft mir mein Timing als Drummer beim Singen und Gitarrespielen. Die Gitarre ist ja auch ein Rhythmusinstrument.«

Ausschweifender Minimalismus war schon immer eine Tugend von Brian Blade. Auf Mama Rosa hilft sie ihm, den Songs exakt zu geben, was sie brauchen. Das Album ist nicht weniger als die grandiose Selbstfindung eines Allrounders, der eben viel mehr ist als ein fantastischer Trommler. »Egal, wie man draußen ankommt«, meint er, »am wichtigsten ist es, an sich selbst zu glauben. Dann wird man in sich selbst Seiten entdecken, die man nicht für möglich gehalten hätte.«


Aktuelle CD:
Brian Blade: Mama Rosa (Verve / Universal)