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Mittwoch, 10. März 2010

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Tonspuren Februar 2010 E-Mail
Bern, Brody & RodachTonspuren
Triophilia
Alan Bern: acc, melodica, p / Michael Rodach: g / Paul Brody: tp, flh
Music For Fish / Eskimo Maerchen / Secret Cinema / Angel Blue / Baleias / Tango Valeska / Heschel / Track 15 / Der Elegante Esel / Bartoki / Swaying
Produzent: Ulli Blobel
Spieldauer: 60:42
Jazzwerkstatt 071
****
In einer ungewöhnlichen Besetzung präsentieren Alan Bern, Michael Rodach und Paul Brody ein außerordentlich korrektes Stück zeitlose, unabhängige – vom Trend und von Überlieferungen weitgehend unabhängig – Musik. Alan Bern bedient das Tastenarsenal aus Akkordeon, Melodica und Piano, Michael Rodach vertritt als Gitarrist die Saitenzunft, Paul Brody markiert mit Trompete und Flügelhorn in die Luft geblasene Töne. Geht das überhaupt: von Traditionen unabhängig zu sein? Klingt »Tango Valeska« nicht stark nach andalusischer Basismusik, wenn Paul Brody frank und frei im Tango Nuancen des Flamenco freilegt? Und kommt »Heschel« nicht sogar der Bachschen Auffassung eines Trompetenkonzertes nahe?

Alles richtig. Trotzdem dieser Dennoch-Einwand: Was klingt wie ein Anhängsel an dieses und jenes Vorbild, beweist sich bei näherem Hinhören als transparenter, (meistens) dem Wohlklang gewidmeter Baustein für eine Musik der Wiederbegegnung. Triophilia stellt sich dem Wunsch nach einer einfachen, aber nicht oberflächlichen, nach einer spannenden, aber nicht abenteuerlichen Musik. Vor Überraschungen ist man beim 2003 während der Berliner Festspiele gegründeten Trio nicht gefeit. Plötzlich tritt doch eine bekannte Melodielinie hervor – beispielsweise in »Bartoki«, wo in einer flotten Synthese aus Experiment und erinnerter Bela Bartók-Musiksprache ein Blues erkennbar wird. Hier rennt Michael Rodach mit gewagten Gitarrenriffs den beiden anderen fast davon. Zum Reigen lädt »Angel Blue« ein: schwebende Tanzschritte, ostinater Rhythmus, aufreizende Melodie. Wer hier nicht im Takt mit dem Kopf nickt, der hat ... [<- selbst Entdecktes bitte einfügen!]
Klaus Hübner

Roger Hanschels Heavy Rotation
Vin
Roger Hanschel: as / Markus Sehschneider: g / Dietmar Fuhr: d-b / Daniel Schröteler: dr
Liquid Missiles / Vin (Part I) / Extrembiose / Vin (Part II) / Warming Up / Eigenheiten I / Waiting / Vin (Part III)
Aufnahme: Juli 2009
Produzent: Roger Hanschel
Spieldauer: 63:31
Jazzsick / In-Akustik
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60 seiner zahlreichen Kompositionen sind mittlerweile auf 30 CDs erschienen«, steht im Pressetext vermerkt. Das ist eine stattliche Anzahl, wenn man bedenkt, dass der Großteil der geschriebenen Sachen erst mal in der Ablage P wie Papierkorb landet oder groß überarbeitet werden muss. Über 60 Kompositionen auf 30 CDs finden sich bei Bands wie NANA, der Kölner Saxophon Mafia, Blau Frontal, dem Duo Hasler Hanschel, Planet Blow, dem Klaus König Orchestra, Triosphere und eben Heavy Rotation, von denen hier eine zweite CD erschienen ist. Die Band ist im Laufe ihres Bestehens zusammengewachsen, der Sound steht wie ein Block, ist aber trotzdem flexibel und geschmeidig. Roger Hanschel lotet mit seinen Kompositionen Dynamikbreiten zwischen geflüstert und richtig lautem Rock aus. Gitarre und Saxofon verflechten sich in Melodien, wobei das Saxofon sich auch durchaus mal in einer perkussiven Stimme zum Schlagzeug gesellt und der Band den Vorrang gibt. Hanschels Kompositionen sind sehr komplex, sie gehen in Grenzbereiche der Musik, an die Grenzen der Instrumentenumfänge, aber nicht der Möglichkeiten der Musiker. Die fliegen zu viert durch die Stücke und reißen den Zuhörer mit: Absolut keine Musik, um kalte Füße zu bekommen (die Band ist auf dem Coverfoto mit den Füssen in einem Gewässer zu sehen), es ist eher für Musiker und Zuhörer wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren. Eine beachtliche CD!
Angela Ballhorn

Trio Ivoire
Across the Oceans
Hans Lüdemann: p, el / Aly Keita: balafon / Chander Sardjoe: de, perc / Chiwoniso: voc, mbira
12 Tracks
Aufnahme: Oktober 2008, Osnabrück, Kerpen und Hoffnungsthal
Spieldauer: 58:42
Enja / edelkultur
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Die neue CD vom Trio Ivoire ist Zimbabwe gewidmet. Da wundert man sich schon ein wenig, hielt man das Trio doch bislang für den kreativen Zusammenschluss von dem Kölner Pianisten Hans Lüdemann und dem Balafonspieler Aly Keita von der Elfenbeinküste (der Dritte im Bunde, Schlagzeuger Chander Sardjoe, ist noch relativ neu). Des Rätsels Lösung ist die Sängerin und Daumenklavierspielerin Chiwoniso, die nicht nur aus Zimbabwe stammt und hier einige Gastauftritte hat, sondern die zum Beispiel auch das Lied »Sinu« aus ihrer Heimat mitgebracht hat. Kennen gelernt hat das Trio die Sängerin ebendort. Was es bedeutet, unter der Regierung Mugabe in Zimbabwe zu leben, dürfte jeder so ungefähr aus den Medien wissen; Chinowiso hat das Land mittlerweile verlassen.

Dass man (mindestens) einen Ozean überwinden muss, um in Afrika zu spielen, was das Trio Ivoire oft und gerne tut, hat dem dritten Album seinen Titel gegeben. Und trotzdem ist das hier keine Weltmusik, sondern eine ganz eigene Melange aus Afrikas farbiger Vielfalt, den sich zuckenden und windenden Polyrhythmen, den Mikrotonexperimenten, die Lüdemann auch solo verfolgt (Between the Keys), und jeder Menge Jazz. Das kann trotz schwierigster Rhythmen grooven (»The Virtual Piano«, »Schwarz in Weiß«), aber auch ganz schlicht swingen (»Steine«). Dabei ergänzen sich Klavier und Balafon so treffend, dass man manchmal gar nicht merkt, dass neben dem Schlagzeug zwei Instrument zugange sind. Dass die Drei zusammen mit ihrem Gast dann auch noch einen ganz lockeren Afro-Reggae namens »The Way It Comes« aus dem Ärmel schütteln, ist nur ein weiterer Beleg dafür, wohin der Weg dieser einmaligen künstlerischen Kombination noch führen könnte.
Rolf Thomas