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Samstag, 4. Februar 2012

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Tonspuren Juni 2009 E-Mail
BjörkTonspuren
Voltaic
2 CDs + 2 DVDs
CD1: Songs from the Volta Tour performed live at Olympic Studios
DVD1: The Volta Tour – Live in Paris & Reykjavik
CD2: The Volta Mixes (Xxxchange, Simian Mobile Disco, Matthew Herbert, Ratatat, Modeselektor, Lexx, Graeme Sinden, Ghostdigital, Alva Noto, Black Pus)
DVD2: The Volta Videos
One Little Indian / EMI
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Zum Hören gibt es eine Reihe Remixe sowie eine Studioeinspielung der Bühnenshow. Zum Gucken gibt es die nämliche Show, gefilmt in Reykjavik und Paris, sowie die Volta-Videoclips plus erhellendem Making-Off.
Boff.

Man kann von der kleinen Isländerin halten, was man will, was sie sich Jahr für Jahr aus dem kulturellen Kramladen heraussucht, um jedes ihrer Alben zu einem sinnlichen Überwerk aufzublasen, lässt den Narzissmus, die Zwangshipness, aber auch den Einfallsreichtum JEDER Konkurrentin (Madonna, irgendwer?) weit hinter sich. Volta zum Beispiel mag als Album vielleicht nicht besonders interessant sein. Erst durch Voltaic kriegt die durchschnittlich interessierte Couchkartoffel einen Eindruck davon, wie die Björk ihre Musik musikalisch, visuell und überhaupt vollsensorisch wachsen lässt.

Die etwas unhandliche Verpackung, die die Sängerin in grobkörnigen Schnappschüssen hinter dem Heer der Hilfskräfte verschwinden lässt, mogelt ein bisschen um den harten Fakt herum: Auch wenn mit Michel Gondry, Modeselektor, Simian Mobile Disco, Mark Bell, Antony Hegarty (natürlich) nur die besten und angesagtesten Leute ihres Fachs ihre Kräfte einbringen - es gibt keinen Track, keinen Remix, kein Video, keine Einstellung, in der die Sängerin nicht im Mittelpunkt steht. Es darf in Björks Kosmos offenbar keine anderen Subjekte geben als sie selbst, auf Augenhöhe begegnet sie höchstens irgendwelchen Fabelwesen oder dem eigenen Spiegelbild. Und wenn sie diese Regel – im Duett mit Antony - ausnahmsweise mal bricht, kommt gleich – via Video – was ganz Herausragendes dabei heraus. Björk ist längst ihr eigener Themenpark geworden, und auch wenn ihre Stimme seit den Sugarcubes von irgendwelchen Entwicklungen (wird diese Frau nicht älter?) unbeleckt durch die mannigfaltigen Popwelten kunstkräht, macht doch jeder Ritt auf einer neuen Attraktion – Schaukelpferd-Karussel, Geisterbahn, exotische Zuckerwattegeschmacksrichtungen oder Rollercoaster, es ist ja alles da – immer wieder Spaß. Pop-Art 2.0.
Eric Mandel

Gary Burton Quartet
Quartet Live!
Gary Burton: vibes / Pat Metheny: g / Steve Swallow: b / Antonio Sánchez: dr
11 Tracks
Concord / Universal
****
Nicht immer lohnt es sich, die Uhren noch mal zurückzudrehen, um halbwegs in die Nähe von vergangenen Sternstunden zu kommen. Im Fall des aktuellen Gary Burton Quartet zeigt sich hingegen nun, dass Altbewährtes auf ewig jung bleiben kann. Die Voraussetzungen für die überfällige Reunion eines schon fast legendären Ensembles waren aber schon deshalb optimal, weil sich eben jeder Musiker auf Anhieb in das musikalische Denken des anderen einfühlen konnte. Nur drei Jahre, von 1974 bis 1977, gehörte der Pat Metheny dem Quartett an, das sein Mentor Gary Burton damals mit Bassist Steve Swallow und Schlagzeuger Dan Gottlieb formiert hatte. Dreißig Jahre später erinnerte man sich nun an diese goldene Zeit. Und obwohl für die Live-Shows Gottlieb durch Antonio Sánchez ersetzt werden musste, funktionierte das Quartett-Gespräch sofort und auf höchstem Niveau. 2006 entstand der Mitschnitt von einem Konzert im Yohi’s Jazz Club im kalifornischen Oakland. Und auf dem Programm stand zwar reichlich Material, das auf den Quartett- wie auch auf den frühen Solo-Alben Methenys zu hören ist. Ob nun Chick Coreas »Sea Journey«, Carla Bleys »Olhos de gato« oder »B & G«. Mit welchem Elan und welcher Poesie diese vertrauten Songs ohne Worte jedoch jetzt ein zweites Mal ausbalanciert, befragt und vor allem befruchtet wurden, hat nichts mit Nostalgie zu tun. Es ist bester, zeitloser Jazz.
Guido Fischer

Oasen
»Improvisiere auf den Sound, denk nicht drüber nach, dann ist es schon zu spät«, diktierte Joachim Kühn vor ein paar Jahren dem Jazzmagazin Ihres Vertrauens in den Block. Damals hatte er gerade sein Diminished-Augmented System vorgestellt, hatte mit Ornette Coleman und anschließend in Leipzig Bach improvisiert. »Ich gehe von Klängen aus, an Akkorden habe ich kein Interesse mehr«, erklärte er damals weiter. Sieht man sich das bunte Panorama seiner Diskografie an, kann man bemerken, dass Kühn sich nicht nur aus den engen Kategorien der Harmonielehre mit ihren »richtigen« Akkordverbindungen befreit hat, sondern wirklich zu einer universellen Klangsprache gefunden hat – in der er genauso sinnvoll im Duo mit Michael Wollny kommunizieren kann wie mit unbekannten Berber-Musikern in der Wüste Sahara. Denn genau dahin reiste Kühn im Frühjahr 2008, quasi als Geschenk zum 64. Geburtstag, jammte in Oasen (im doppelten Sinne »an der Quelle« also) und lud die dortigen Musiker zur Aufnahme am Flügel seines nahe gelegenen Hotels unweit der marokkanisch-algerischen Grenze ein. Andere Tracks entstanden in Rabat im Studio, mit lokalen Gnawa-Musikern und einem Meister der »talking drum« aus Benin. Natürlich fuhr Kühn nicht mal eben spontan nach Marokko, schon länger arbeitet er mit afrikanischen Musikern zusammen: Mit dem aus dem Kongo stammenden Ray Lema entstanden Anfang der 1990er Euro African Suites, mit Moussa Sissoko (nicht dem Fußballspieler) 1999 das Album Ala Tamala, 2006 die Journey To the Centre of an Egg mit Rabih Abou-Khalil und 2007 Kalimba mit Majid Bekkas (den Kühn schon seit 2003 kennt) und Ramon Lopez, einem spanischen Perkussionisten, der nicht nur indische Tablas, sondern auch die Musik des Maghreb aus erster Hand kennt, er lebt seit 20 Jahren in Paris.

Mit Bekkas und Lopez ist Kühn auch immer wieder live zu erleben, und als eingespieltes Trio bilden die drei auch das Zentrum des neuen Albums. Bekkas und Kühn steuerten laut Tracklist sogar jeweils drei der sechs Kompositionen bei. Wobei sich der Anteil von »Komposition« an der Musik spürbar aufs Nötigste beschränkt. Mal stimmt Bekkas mit seiner Guembri (einer Art Oud von Bass-Dimensionen) einen arabischen Blues an (»Foulani«), den Kühn am Flügel beantwortet, ein anderes Mal erprobt der Pianist eine kleine Melodie - in »Transmitting« beispielsweise – und reißt erst die Perkussionisten, dann auch Bekkas mit: als Begleiter der sich weiterentwickelnden Improvisation. Titel wie »One, Two, Free« beschreiben dichte Gruppen-Improvisationen, im Verlauf des 12-Minüters wechselt Kühn dann auch zum Altsaxofon, das für ihn weit mehr als ein »Zweit-Instrument« ist. Eher nutzt er das Blasinstrument als alternativen Weg, die Klänge aus seinem Inneren herauszulassen. Out of the Desert lädt zu einem interessanten Hör-Experiment ein: Vergessen wir einmal, dass hier Instrumentalisten aus verschiedenen Kulturkreisen zusammentreffen (eine These, die man auch mal überprüfen sollte), dass hier rudimentäre Instrumente wie Trommeln oder einfachst aufgespannte Saiten neben mechanisch komplexen Tonwerkzeugen wie dem Konzertflügel erklingen. Hören wir stattdessen einmal auf die Musik, die aus all diesen Quellen zusammenfließt. Denn die ist weder inter- noch multikulturell, sondern einfach da. So vielgestaltig und doch so universell eins wie das Geröll, der Sand, die Wasserlöcher, Felsen, die wir schlicht »Wüste« nennen.
Tobias Richtsteig

Joachim Kühn / Majid Bekkas / Ramon Lopez + Guests
Out of the Desert
ACT / edelkultur
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