jazzthetik - das magazin für jazz und anderes

Anzeige

Samstag, 4. Februar 2012

Home
Abo
 
Termine
Probeheft
Linksammlung
Mediadaten
Impressum
Kontakt
 
Archiv
Onlineshop
Home arrow Archiv arrow Tonspuren März 2009
Tonspuren März 2009 E-Mail
Dutch Jazz OrchestraTonspuren
Moon Dreams
Rediscovered Music of Gil Evans & Gerry Mulligan
Dutch Jazz Orchestra / Leitung: John Ruocco
Spanish Dance / Rose of the Rio Grande / The Happy Stranger / Poor Little Rich Girl / Joost At the Roost / Easy Living Medley / The Major And the Minor / Yardbird Suite / Lover Man / Brew’s Tune / Broadway
Aufnahme: April 2006
Produzenten: Albert Beltman, Jan Oosthof
Spieldauer: 49:22
Challenge / Sunny Moon
****(*)
Das Dutch Jazz Orchestra hat sicher eine einmalige Stellung in Europa. Dass die Bigband unter Leitung von John Ruocco eines der Toporchester Europas ist, ist Fakt. Die erste Liga der holländischen Jazzmusiker bildet ein ungemein exakt spielendes und homogen klingendes Orchester, obwohl Solisten wie Posaunist Ilja Reijngoud oder Gitarrist Martijn van Iterson einen sehr persönlichen Sound und Stil spielen. Doch das Dutch Jazz Orchestra nimmt vor allem durch die Forschungsarbeiten eine führende Stellung weltweit ein. In den letzten Jahren sind einige CDs mit unveröffentlichter Musik oder wiederentdeckten Kompositionen erschienen. Den Anfang machten mehrere CDs mit Kompositionen von Billy Strayhorn, die der Musikwissenschaftler Walter van de Leur in Amerika ausgegraben hat. In ebenso unermüdlicher Arbeit hat er sich um das aktuelle Projekt gekümmert.

Bei Moon Dreams geht es um wiederentdeckte Kompositionen von Gil Evans und Gerry Mulligan, die größtenteils bisher noch nie aufgenommen wurden. Damit hat sich die Band eine große Aufgabe gestellt, denn Musik von den beiden Titanen ist starker Tobak. Und man weiß nicht, über was man mehr staunen soll: Über die Kompositionen, über die vertrackten Arrangements oder über die Aufnahmequalität. Sowohl Evans als auch Mulligan sind eng mit Miles Davis’ Birth of the Cool verbunden, doch ihre außergewöhnliche Schreibtechnik wurde schon lange vorher in Claude Thornhills Band entwickelt. Doch in Miles’ Nonett kann man in kleinerer und ungewohnter Besetzung nachhören, wie ungewöhnlich die Klangfarben verteilt wurden. Diese ganz eigene Klangsprache hört man auch in der großen Bigbandbesetzung, mal noch mit Flöten oder Hörnern aufgestockt. Das ist sicher eine Herausforderung für jede Bigband, da die Musikblöcke ganz anders gesetzt sind, sei es, was die Klangfarben der Instrumente wie auch die Verwendung der verschiedenen Bläsersätze angeht. Doch für eine so hervorragend eingespielte Band wie das Dutch Jazz Orchestra, das es immer wieder versteht, komplett in das Klangidiom verschiedener Komponisten und musikalischer Epochen einzutauchen, sind hörbar keine Grenzen gesetzt. Wieder eine CD mit musikalischen Kostbarkeiten!
Angela Ballhorn

Various Artists
Obacht! Musik aus Bayern
24 Interpreten, 26 Tracks
Aufnahmen: 1968-2005
Spieldauer: 66:30
Galileo MC
****
Bierzeltmusik, Dorfkapellen, Jodler, Tanzmusik, oberbayerischer Folk, Zitherspieler, Bassetthorntrios - normalerweise nicht gerade der Stoff, der in JAZZTHETIK verhandelt wird. Aber im Zuge der »Back to the roots«-Bewegung haben viele schon gemerkt, dass das, was Florian Silbereisen und Andy Borg im Fernsehen präsentieren, wenig bis gar nichts mit Volksmusik zu tun hat.

Die Musiker auf dieser Compilation schon. Die Roaner Sängerinnen, die Dellnhauser Musikanten, der Kraudn Sepp, Ruasskuchlmusi, die Blaskapelle Oskar Sattler oder die Familienmusik Hoffmann kennt zwar außerhalb Bayerns kein Schwein (oder?), aber sie halten mit viel Können und Enthusiasmus eine Tradition am Leben, die die Zillertaler Schürzenjäger und das Original Naabtal Duo unter viel Linn Drums und Stromgitarren zu begraben drohen. Hier hört man Polkas, Zwiefache, Jodler, Märsche und Schrammelmusik, wie man sie vor vielleicht 50 Jahren einmal in bayerischen Wirtshäusern hören konnte - teilweise so virtuos (etwa »Der meineidige Bauer« vom Pongauer Viergesang), dass es fürs Wirtshaus glatt zu schade wäre. Die Unterbiberger Hofmusik - auf Obacht! leider nicht vertreten - streckt ihre Fühler gar bis zum Jazz aus. Es gibt eine Menge zu entdecken auf dieser CD, und die Informationen im Booklet vermitteln höchst ansprechend, wie breit diese Szene ist. Nur im Editing war Ulrike Zöller, die die Platte zusammengestellt hat, nicht konsequent: Auf »Es letzte Löidl« folgen noch zwei weitere!
Rolf Thomas