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Samstag, 4. Februar 2012

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Deolinda - Das Fado-Wunder E-Mail
Von Felipe TadeuDeolinda - Das Fado-Wunder
Übersetzung: Michael Kegler
Bild: Rita Camero

Die größte Stärke der Band sind die genialen Kompositionen von Pedro da Silva Martins und wie Ana Bacalhau seine tabulosen Texte mit Verve inszeniert.

Felipe Tadeu: Eure Band besteht aus ehemaligen Mitgliedern der Bands Lupanar und Bicho de Sete Cabeças. Was war das für Musik, die ihr früher gemacht habt?
Ana Bacalhau: Lupanar, die Band, in der ich und der Bassist von Deolinda gespielt haben, hat experimentelle Musik in portugiesischer Sprache gemacht, mit ganz anderen Instrumenten, als wir sie heute bei Deolinda spielen: elektrische Gitarren, Perkussion, Schlagzeug und Akkordeon. Bicho de Sete Cabeças, wo Luís und Pedro herkommen, hat traditionelle Musik gespielt.
Felipe Tadeu: Ihr seid alle miteinander verwandt. Was sagen denn eure Großeltern zu der subversiven Art von Fado, die ihr bei Deolinda spielt?
Ana Bacalhau: (lacht) Das gefällt ihnen seeeeehr gut! Meine Oma liebt es, und auch Zés Großmütter sind begeistert.
Felipe Tadeu: Gab es noch keine Proteste aus der Traditionalistenecke?
Ana Bacalhau: Nein, nicht dass wir wüssten. Bis jetzt hat niemand etwas Schlechtes über uns gesagt. Manche haben sogar gesagt, dass es ihnen gefällt.
Felipe Tadeu: Warum habt ihr die portugiesische Gitarre weggelassen? Ist euer Konzept durch die Texte und das Auftreten der Gruppe nicht ohnehin subversiv genug?
Ana Bacalhau: Portugiesische Gitarre ist nicht dabei, weil keiner von uns sie spielen kann. Außerdem waren wir der Meinung, dass Pedros Lieder es gar nicht nötig hätten. Was wir versucht haben, war, durch das virtuose Gitarrenspiel von Luís andere Instrumente hörbar zu machen, wie etwa das Cavaquinho.
Felipe Tadeu: Welche Sängerinnen zählst du zu deinen Einflüssen?
Ana Bacalhau: In der portugiesischen Musik Amália Rodrigues, ein Einfluss, dem man nicht entgehen kann, aber ich mag auch Teresa Salgueiro, Maria João und Ana Moura. Dann, außerhalb Portugals: Elis Regina, eine ganz große musikalische Liebe, Janis Joplin, Barbara Hendricks und Odetta Holmes.
Felipe Tadeu: Gab es in Portugal vor euch schon Gruppen, die Fado aus einer humoristischen Perspektive bear-beitet haben, oder seid ihr Pioniere?
Ana Bacalhau: Es gab eine Fado-Sängerin, die schon tot ist, Hermínia Silva, die traurige Fados sang, aber auch einige leichtere Stücke, die ich nicht als humoristisch bezeichnen würde - aber eben als leichtere Stücke. Auch Amália hat so was gemacht. Ich denke, es musste nur jemand kommen und diese Eigenschaft, die dem Fado schon innewohnt, aufgreifen und weiterentwickeln. Ich will nicht sagen, dass wir die Ersten waren, aber es ist unser besonderes Merk-mal.
Felipe Tadeu: Wie kommt Deolinda bei Kindern an?
Ana Bacalhau: Wenn wir bei Konzerten ins Publikum schauen, sind da dreijährige Kinder und achtzigjährige Omas. Es kommen ganze Familien zu unseren Konzerten. Die Fröhlichkeit unse-rer Musik scheint auch die Kinder erreicht zu haben. Die sind ja ein ganz besonders schwieriges Publikum (lacht). Ja, die Kinder sind schon schlau!
Felipe Tadeu: »Movimento Perpétuo Associativo« ist ein tolles Lied. »Heute nicht, weil Mittagszeit ist«, heißt es da nach dem Aufruf, endlich alle Verhält-nisse umzukehren, und dann folgen allerlei lustige Ausreden, warum es gerade heute nicht passt. Alle, die sich als Linke bezeichnen, sollten sich das mal anhören. Ist das auch eine Verballhornung des revolutionären Mythos Portugals?
Ana Bacalhau: Als Pedro mit diesem Lied ankam und wir es zum ersten Mal gespielt haben, dachten wir, es hätte eine sehr portugiesische Botschaft. Aber dann haben uns Leute aus dem Ausland, Brasilianer, Franzosen und auch Deutsche, nach den Konzerten erklärt, dass es in ihren Län-dern genauso läuft. Wahrscheinlich ist es ein universell gültiges Lied.
Felipe Tadeu: Die Brasilianer feiern dieses Jahr den hundertsten Geburtstag von Carmen Miranda, einer Künstlerin, die insbesondere in Hollywood erfolgreich war und dort als typische Brasilianerin verkauft wurde, obwohl sie in Portugal zur Welt kam. Auch sie war im Grunde eine Humoristin.
Ana Bacalhau: Sie ist in Portugal geboren, ist aber schon als kleines Kind nach Brasilien gegangen. Ich mag sie sehr. Die Portugiesen haben ein großes humoristisches, heiteres Potenzial, aber da ist auch immer so ein Schuldgefühl, das uns überkommt, wenn wir fröhlich sind.


Aktuelle CD:
Deolinda: Canção Ao Lado (World Conn / edelkultur)