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Samstag, 4. Februar 2012

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Simphiwe Dana - Stimmgewaltige Sozialkommentatorin E-Mail
Von Franz X.A. ZippererSimphiwe Dana - Stimmgewaltige Sozialkommentatorin
Bild: Gallo

Das 2006 erschienene zweite Album The One Love Movement on Bantu Biko Street wird gleich vierfach ausgezeichnet - als »Best Album of the Year«, »Best Female Solo Artist«, »Best Contemporary Jazz« und »Best Jazz Vocal Album«. Doch nicht nur in Südafrika wird die gerade mal dreißigjährige Sängerin mit Preisen überhäuft, auch für den »BBC Radio 3 Award« wird sie 2008 nominiert. Mit der aktuellen CD Kulture Noir hat sie ihre Position weiter untermauert. Es hätte prima gepasst, dieses Album synchron zur Fußball-Weltmeisterschaft zu veröffentlichen. Schnelles Geld hätte am Wegesrand gelegen - Simphiwe Dana ließ es liegen. »Entweder setzt sich Musik künstlerisch durch«, konstatiert sie selbstbewusst und mit einem gewissen Stolz. »Einem möglichen Strohfeuerfokus setze ich mich nicht aus. Mir geht es um Nachhaltigkeit.«

Simphiwe Dana kommt nicht aus einem der großen südafrikanischen Zentren wie Johannesburg, Kapstadt oder Durban. Sie stammt aus der Gegend um Gcuwa/Butterworth im ehemaligen Homeland Transkei, etwa 160 km nordöstlich von East London entfernt. Bereits ihre Kindheit wird durch Gesang dominiert: » Zum einen gibt es in Südafrika die klassische Tradition der Stammes-Chorgesänge, später kam dann die Vermischung von Stilen aus der europäischen christlichen Chormusik mit unseren einheimischen Harmonien. International eine der wohl bekanntesten Gruppen bis heute ist Ladysmith Black Mambazo. Dann waren da noch meine Mutter und alle meine Tanten, die auch ständig gesungen haben, und natürlich die Gesänge in der Kirche. Damit bin ich aufgewachsen und habe natürlich auch dauernd gesungen.«

Obwohl Simphiwe Dana durch diese Schule geht, wird ihr großer Traum, Sängerin zu werden, nur langsam Wirklichkeit. 2000 übersiedelt sie nach Johannesburg und beginnt zunächst ein Grafikdesign- und IT-Studium. Von Musik durchdrungen, nimmt sie abends in ihrem Apartment erste eigene Lieder auf: »Erst mal alles a cappella. Ich brauchte auch keine Band, um zu komponieren, das habe ich gemacht. Ich hatte immer eigene Vorstellungen vom Leben und versuche, diese in meine Musik einzuarbeiten.«

Fest davon überzeugt, dass ihr Stil nirgends reinpasst, wagt sie es nicht, bei einer Plattenfirma vorstellig zu werden. Simphiwe Danas Umweg führt über kleinere Clubs und Open-Mic-Sessions. Hier trifft sie jemanden, der ihr Potenzial erkennt und ihr Zeit einräumt, die Musik mit einer Band weiterzuentwickeln. So nimmt Zandizile langsam Gestalt an.

Auf die vielfältigen Bezüge ihrer Musik angesprochen, antwortet Dana: »Ich beziehe mich auf das Erbe meines Volkes, der Xhosa. Klar, es finden sich auch Elemente von Gospel und Jazz. Aber letztendlich ist es meine ganz eigene Musik. Wäre der Begriff Soul nicht so besetzt, wäre er der ideale Begriff dafür.« Den Terminus Weltmusik mag sie gar nicht: »Da wird verschiedenste Musik aus der ganzen Welt in eine einzige Schublade gepresst - das hat diese Musik nicht verdient. So wird man ihr nicht gerecht.«

Simphiwe Dana singt den Großteil ihrer Lieder in ihrer Muttersprache, in isiXhosa. »Das ist meine Sprache, ich bin Xhosa«, erklärt sie. »Zudem ist die Sprache sehr expressiv, sehr rhythmisch und auch überaus ausdrucksstark. Durch die Gesänge in meiner Sprache werde ich mir selbst auch immer wieder bewusst, wo ich herkomme.« Damit spricht Simphiwe Dana eins ihrer großen Themen an - die Identität der (süd-)afrikanischen Völker. »Das schöne Bild der südafrikanischen Regenbogennation ist ein Trugbild«, macht sie deutlich, »die physische und psychische Isolierung der Stämme ist auch nach dem Ende der Apartheid nicht aufgehoben worden. Die schwarzen Schulen sind nach wie vor die schlechtesten. Die schwarze Gesundheitsfürsorge ist eine Katastrophe.«

Als soziale Kommentatorin sieht sie ihre Aufgabe beim Texten vor allem darin, Fragen zu stellen: »Ich will wissen, warum Dinge so sind, wie sie sind. Ich will wissen, wo das Problem liegt und wie wir es lösen können. Ich habe auch nicht gleich eine passende Antwort zur Hand. Es werden viel zu wenig Fragen gestellt - vor allem zu wenig unbequeme.« Das Thema Identität thematisiert sie auch auf der Bühne. Ihre hoch aufragenden Hüte entwirft sie als studierte Designerin selbst. Sie symbolisieren ein erhabenes Afrika. Die Bühnengarderobe wird von jungen afrikanischen Designerinnen geschaffen.

Mit ihrem aktuellen Album Kulture Noir setzt Simphiwe Dana die Revolutionierung der modernen südafrikanischen Musik fort. Trotz der sozialpolitischen Themen ist nichts aufgesetzt oder gewollt. Eher gebannt wird ihrer Musik gelauscht, ihrer leicht dunklen Stimme mit ihrer teils mantrahaften Spiritualität und großen Präsenz. Musikalisch führt Dana die Elemente über die südafrikanischen Landesgrenzen hinaus, weit in die Zukunft. Simphiwe Dana ist auf dem besten Weg, die übergroßen Fußstapfen von Miriam Makeba, Letta Mbulu oder Dorothy Masuka auszufüllen und leuchtende eigene Akzente zu setzen.


Aktuelles Album:
Simphiwe Dana: Kulture Noir (Skip Records / Soulfood)